Vorlesetag am 18. November 2011

VERMITTLUNG PAR EXCELLENCE

Freitag Abend, 18.11.2011, läuteten ein Dutzend Menschen das Wochenende mit Echo-Kamerun e.V. ein. Echo, das heißt: Einen Dialog anstoßen. Dazu stellte sich der Verein zunächst den Zuhörern vor, und zwar anhand der Literatur. Bei seinem Versuch, Literatur zu definieren, nannte Sartre sie eine Vermittlung par excellence.

Als erste las Passy Nyango aus André Ekamas Geschichtensammlung “Schwarzer sein im weißen Himmel”. André Ekama kommt, wie Passy, aus Kamerun und lebt im Rhein-Neckar Gebiet. Passy hat in Kamerun vier Jahre im Gymnasium Deutsch gelernt und bemüht sich weiterhin um den Spracherwerb. Passy las die Geschichte von Kebiyono, dem jungen Mann, der nach Europa geht, aber seinem Dorf und seinen Traditionen verbunden bleibt.

Dann ging es um das Verweilen in Europa und um die Frage: Deutscher werden oder Afrikaner bleiben? Die Konflikte um diese Frage haben Vereinsvorsitzenden Cees Berkouwer berührt. Er las aus der Geschichte “Schwarzer sein unter deutscher Flagge”. Wieder war der Autor André Ekama.

Die folgende Figur entschloss sich für die Rückkehr in die alte Heimat. Burkard Pranke las Der Bauch des Ozeans von Fatou Diome. Es ging um Fußball, um den Traum, nach Europa zu gelangen und dort reich zu werden, und um einen Mann, der aus Paris zurückkehrt und der Versuchung erliegt, seine Erlebnisse etwas auszuschmücken, da es die jungen Fußballverrückten nicht besser wissen können.

Der Pole Ryszard Kapuscinski lebte vierzig Jahre lang als Korrespondent in Afrika, von den 1950ern bis in die 1990er. Er liebte Afrika mit ganzem Herzen, dabei schloss er nie die Augen vor der brutalen Realität. Aus seinem Reisebericht “Afrikanisches Fieber” las Silvia Kuntz die letzte Szene, in der sich der Geist Afrikas einer Weihnachtsgesellschaft offenbart. Zwischen den vier Texten trommelte Brian Ngopan aus Kamerun die Djembe, um die Texte ein Weilchen auf uns wirken zu lassen.

Alle Zuhörer folgten der Einladung, nach der Lesung in ein Gespräch zu treten. Die Gelegenheit wurde gerne aufgegriffen, die drei Afrikaner nach ihren Erlebnissen in Europa, aber auch nach ihrer Meinung zu Afrika zu fragen. Zum Beispiel waren die Deutschen mehrheitlich traurig über die Tatsache, dass in Afrika viele Traditionen verlorengingen, wie etwa Hirse im Mörser zu stampfen oder Essen in umweltfreundliche Bananenblätter zu wickeln. Die drei Kameruner entgegneten, dass das zwar schade sei, aber dass es auch gut sei, Ideen aus dem Westen aufzunehmen und in die Entwicklung einzubringen. Ein Gespräch auf Augenhöhe wünschten sich die Afrikaner statt regierungsbetriebene Ausbeutung des Kontinents. “Afrikaner lieben Europäer!”, betonte Passy Nyango. “Aber wer mit einer afrikanischen Regierung paktiert, wird auf immer fallengelassen.”

“Wir freuen uns auf nächstes Jahr!”, “Ich komme auf jeden Fall zu einer Vereinsversammlung!”, waren einige Reaktionen der Teilnehmer. Mit dem Hinweis, wenn es dunkel werde, solle man auseinander gehen, weil man nicht mehr sehe, ob der Mund und die Augen dasselbe sagten, gingen alle nach Hause, voller neuer und belebender Eindrücke.