Brunnenprojekt in Kribi

Lange schleppte der Abbé Charles Voundi jeden Morgen einen 25-Liter-Kanister mit Trinkwasser ins Gymnasium „Jean Charles“ in Kribi. Das Wasser war für seine Schüler. Im äquatornahen Kamerun klettert die Quecksilbersäule in der Trockenzeit leicht auf über 30 Grad. Der Priester hatte die Privatschule 2007 gegründet. Wie viele Schulen ist auch sie aus sägerauhen Holzplanken zusammengezimmert, aber im Unterschied zu den staatlichen Einrichtungen sitzen hier nicht 80 oder 90 Schüler in einem der luftigen Klassenräume, sondern 20 oder 30. Auch an einen Brunnen wurde damals gedacht, dieser aber nie fertig gebaut.

Etwa zur selben Zeit, als das Gymnasium entstand, fand in einer kleinen deutschen Kunsthalle in Wiesenburg bei Bad Belzig eine Ausstellung zum Thema „Wasser“ statt. Acht regionale Künstlerinnen und Künstler hatten sich mit dem Element und seiner Verwendung, seiner Lebenskraft und Vitalität auseinander gesetzt. Jeder von ihnen versteigerte schließlich eines seiner Werke für einen guten Zweck: einen Brunnen in Afrika. Die Auktion fand unter großer Publikumsbeteiligung statt und brachte 860 Euro ein. Die Summe wurde unserem Verein zu treuen Händen übergeben, in der Gewissheit, es würde sich schnell ein geeignetes Projekt finden lassen.

Natürlich beginnt dieser Text nicht ohne Grund mit dem Gymnasium „Jean Charles“ und seinem engagierten Abbé. „Echo Kamerun“ beschloss, diese Privatinitiative zu unterstützen. Wir sind überzeugt davon, dass das Geld gut verwendet und der Brunnen anschließend auch gehütet wird.

Der Kostenvoranschlag wies 1800 Euro reine Materialkosten aus, die dank großzügiger Spender bis Ende 2009 zusammengesammelt waren. Sämtliche Planungs-, Personal- und weitere Kosten trugen die kamerunischen Partner. Hocherfreut und motiviert begann man im Sommer 2009 mit den Bauarbeiten. Das Förderloch wurde neu ausgeschachtet, Brunnenringe wurden versenkt.

Bis zur offiziellen Einweihung des Brunnens im Frühjahr 2011 sollten noch fast zwei Jahre vergehen. Mitunter ruhte der Bau und so mancher (auf deutscher Seite) hegte Zweifel an der Verwirklichung. „Vertraut uns und lasst uns mal unseren Weg gehen“, signalisierten die Kameruner beschwichtigend und belehrten die Zweifler. Den deutschen Spendern wurden im April 2011 vor Ort nicht nur dankbar die Hände geschüttelt und ein Becher frisches Wasser gereicht. Der Abbé präsentierte auch ein transparent und präzise geführtes Finanzbuch, das auch die Leistungen auf kamerunischer Seite beinhaltet. Das Projekt ist eine wirkliche Gemeinschaftsarbeit, in Gleichberechtigung, Respekt und auf Augenhöhe.


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Das Brunnenhaus (im Hintergrund) birgt den Speicher und die Pumpe
Der neue Brunnen liefert nun jederzeit frisches Trinkwasser für die Schüler
Das Brunnenhaus (im Hintergrund) birgt den Speicher und die Pumpe Der neue Brunnen liefert nun jederzeit frisches Trinkwasser für die Schüler

Unsere Vereinsmitglieder Kees Berkouwer, Jens Gruszka und Jean-marce Banoho (v.l.n.r.) im Gespräch mit dem engagierten Schulleiter und Abbé Charles Voundi
Unsere Vereinsmitglieder Kees Berkouwer, Jens Gruszka und Jean-marce Banoho (v.l.n.r.) im Gespräch mit dem engagierten Schulleiter und Abbé Charles Voundi